• 1981:
    In den USA melden Ärzte erste Krankheits- und Todesfälle bei jungen Männern, deren Ursache sie nicht erklären können. Heute weiß man, dass es sich um die ersten Aids-Fälle handelte. Als Patient Null gilt der kanadische Flugbegleiter Gaetan Dugas. Viele Spekulanten sagen, er habe das Virus in die USA gebracht, wodurch er zum traurigen Sündenbock der Gesellschaft wurde. Noch im selben Jahr erscheint der erste Artikel in einer US-amerikanischen Zeitschrift, in welchem die Krankheit erstmals auch unter dem Namen „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ (Aids) thematisiert wird. Zuvor haben v.a. die Medien die unbekannte Krankheit abschätzig den „Schwulenkrebs“ genannt.
  • 1983:
    Das HI-Virus wird von Luc Montagnier und einem seiner Kollegen entdeckt. Dieses Virus stellt den Auslöser der zuvor unerklärlichen Immunschwächekrankheit dar. Forscher decken die Übertragungswege von HIV auf. Den Namen „Human Immunodeficiency Virus“ erhält das Virus jedoch erst ein wenig später.
  • 1984:
    Forscher stellen ihren ersten Test auf HIV-Antikörper vor. Damit ist ein großer Fortschritt getan.
  • 1985:
    In Deutschland müssen nun sämtliche Blutprodukte auf HIV getestet werden. Im selben Jahr erscheint die erste Aufklärungsbroschüre über das Thema Aids von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
  • 1987:
    Das erste Medikament gegen das HI-Virus wird betroffenen Menschen zugänglich gemacht. AZT (Azidothymidin) ist ein außerordentlich kostspieliges Medikament, welches helfen soll, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Die erste Euphorie hält jedoch nicht lange an – die Nebenwirkungen sind enorm, die Wirksamkeit gering.
  • 1988:
    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ruft zum ersten Mal den Welt-Aids-Tag aus. Seither findet er jährlich am 1. Dezember statt, um auf die Krankheit aufmerksam zu machen.
  • 1989:
    „Vielleicht hat uns der Herr diese Seuche gebracht, weil unerlaubter Sex gegen die zehn Gebote verstößt“, sagt US-Präsident Ronald Reagan über die Gründe für Aids, weil viele homosexuelle Männer davon betroffen sind. Dieses Zitat ist ein erschreckendes Beispiel dafür, wie in den 80er Jahren über Aids gedacht und auch gesprochen wird. Zudem ist es ein Beispiel für die Unwissenheit und Unaufgeklärtheit der Bevölkerung in Bezug auf die Krankheit.
  • 1991:
    Die Rote Schleife wird zum internationalen Zeichen der Verbundenheit mit HIV-infizierten Menschen. Freddy Mercury, der weltberühmte Sänger der Band Queen, stirbt an den Folgen seiner HIV-Infektion. Er gibt seine Erkrankung erst einen Tag vor seinem Tod öffentlich bekannt. Die Basketballgröße Earvin „Magic“ Johnson gibt seine Infektion ebenfalls bekannt. Seither wirbt er engagiert für Safer Sex und betreibt Aufklärungsarbeit zum Thema Aids.
  • 1992:
    Die Modefirma „United Colors of Benetton“ veröffentlicht als Motiv für ihre Werbeplakate ein Foto des an Aids erkrankten David Kirby kurz vor dessen Tod. Die Plakate rufen internationale Proteste hervor.
  • 1996:
    Die Kombinationstherapie kommt auf den Markt. Die Vereinigung von drei verschiedenen Wirkstoffen steigert die Überlebenschancen HIV-infizierter Menschen erheblich – ein Durchbruch in der Therapieforschung. Später zeigen sich jedoch auch schwerwiegende Nebenwirkungen der Therapie, wie beispielsweise Resistenzbildungen gegen die Medikamente, was die Behandlung erschwert.
  • 1999:
    Mediziner bestätigen, dass das HI-Virus bereits Anfang des 20. Jahrhunderts von einer Schimpansen-Art aus Afrika auf den Menschen übertragen wurde.
  • 2006:
    „Die USA geben jährlich pro Kopf 7,30 Euro für die Aids-Forschung aus, Deutschland dagegen nur 9 Cent“, so Prof. Dr. Norbert Brockmeyer, HIV-Experte an der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum und Sprecher des Deutschen Kompetenznetzes HIV/Aids. Er beklagt die im Staatenvergleich auffallend geringen Ausgaben für die Aids-Forschung in Deutschland. Seiner Aussage nach müsse mehr Budget für die Forschung bereitgestellt werden, um besser und intensiver forschen zu können. Während die Medikamente in den reichen Staaten immer besser verträglich und effektiver werden, ist die Situation in den Entwicklungsländern weiterhin dramatisch – viele HIV-infizierte Menschen erhalten nach wie vor keine medizinische Versorgung oder HIV-Therapie.
  • 2008:
    Die Schweizer Eidgenössische Kommission für Aidsfrage (EKAF) veröffentlicht ein bahnbrechendes Statement: HIV-infizierte Menschen unter erfolgreicher Therapie sind sexuell nicht ansteckend. Die Aussage löst eine Debatte aus, weitere Studien schließen sich an, die die Aussage stützen.
  • 2009:
    Der neugewählte US-Präsident Barack Obama schafft das Gesetz ab, welches die Einreise von HIV-infizierten Menschen in die USA verbietet. Betroffene Menschen können nun in die USA reisen und ein Visum beantragen. Ein Jahr später hebt auch China das Einreiseverbot auf. Es war schon länger klar, dass dieses Gesetz nicht dazu beitragen kann, die Verbreitung der Krankheit zu stoppen.
  • 2013:
    Wissenschaftler*innen in den USA und in Frankreich berichten über Einzelfälle von HIV-infizierten Patienten, bei denen durch eine frühzeitige Behandlung mit HIV-Medikamenten eine funktionelle Heilung gelingt, d.h. die Körperflüssigkeiten dieser Patienten enthalten auch nach Absetzen der Medikamente keine vermehrungsfähigen HI-Viren mehr. Weitere Forschung zu neuen Medikamenten, zur Impfung und zur Heilung läuft in mehreren Ländern.
    Die Ergebnisse der Studie „Positive Stimmen“ (Deutsche AIDS-Hilfe) zu HIV und Diskriminierung in Deutschland zeigen, dass HIV-infizierte Menschen in vielen Lebensbereichen nach wie vor mit Ausgrenzung und Diskriminierung zu kämpfen haben.
  • 2016:
    Truvada (Emtricitabin/ Tenofovirdisoproxil, Gilead) erhält als erstes Arzneimittel die Zulassung für die PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe). Neben dem Kondom steht nun auch eine medikamentöse Schutzmöglichkeit zur Verfügung. Die Fixkombination ist als Dauermedikation zugelassen – jedoch nicht für die anlassbezogene PrEP. Mit dem Auslaufen des Patents im Juli 2017 ziehen die Generikahersteller nach. Die PrEP wird dadurch erschwinglicher. In anderen Ländern wie  Großbritannien (d. h. London) wird im Zusammenhang mit der PrEP ein deutlicher Rückgang der Neuinfektionen beobachtet.
  • 2017:
    Prävention 3.0: PrEP (Prä-Expositons-Prophylaxe) und TasP (Treatment as Prevention) werden zu gleichberechtigten Schutzmöglichkeiten neben dem Kondom. Menschen unter erfolgreicher Therapie sind auf sexuellem Weg nicht mehr ansteckend. Sexualität und Prävention emanzipieren sich.
  • 2018:
    Seit Oktober ist der HIV-Selbsttest frei verkäuflich und in (Online-) Apotheken und Drogerien erhältlich. Das niederschwellige Angebot soll die Hemmschwelle für den Test senken und die Anzahl der Spätdiagnosen verringern.
  • Die Kostenübernahme der PrEP durch die gesetzlichen Krankenkassen wird für Sommer 2019 erwartet.