MännerXundheit 69


Verkehrte Welt……



…..Wandel der Zeit oder einfach nur medizinischer Fortschritt.

Je nach Betrachtungsweise ist es das Eine oder Andere, aber im Grunde genommen, eben von Allem etwas.

Aber um was geht es? Um Safer Sex.

In letzter Zeit haben mir immer wieder Männer erzählt, dass sie aufgrund ihres Status, HIV-negativ zu sein, als mögliche Sexpartner abgelehnt wurden.

Sei es der Umstand, Sex mit Kondom sei eher kompliziert, dass nicht immer ein Kondom zur Verfügung stand oder der Sexpartner eben auch auf „saftigen Spaß“ stand.

Sie wären quasi ein sogenanntes "No go", um entspannten und erfüllten Spaß zu haben.

Auf den ersten Blick bezüglich Safer Sex mag diese Ablehnung unter „verkehrte Welt“ fallen. Doch schon auf den zweiten Blick trifft es eher die Aussage

„Wandel der Zeit“.


Der Begriff Safer Sex (sicherer Sex, nicht sicheren Sex) etablierte sich in den frühen 1980 Jahren als Schutzmaßnahme gegen eine Infektion mit dem HI-Virus.

Die Verwendung eines Kondoms beim Sex war lange Zeit die einzige Möglichkeit, sich vor einer HIV-Infektion und vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen zu schützen.

Vor ca. 10 Jahren kam durch die EKAF-Studie (aus der Schweiz) die wissenschaftliche und medizinische Erkenntnis dazu, dass bei einer geringen HI-Viruslast (Virusload = VL) eines HIV-positiven Menschen ebenso eine Ansteckung nahezu nicht möglich ist. Neue, gut wirksame und individualisierte antivirale Therapien senken die Viruslast soweit herab, dass beim Sex ohne Kondom auch keine Ansteckung mit HIV stattfinden kann.

So entstand im Laufe der Zeit die zweite Safer Sex-Methode „Schutz durch Therapie“.

Wieder ein paar Jahre später kam der medizinische Fachausdruck „Prä-Expositionsprophylaxe (kurz PrEP)“ bei der HIV-Thematik auf.

Die Möglichkeit der Prä-Expositionsprophylaxe ist eine zusätzliche Methode und medizinische Präventionsmaßnahme zum Schutz vor Infektion bei einem zu erwartendem Infektionsrisiko.


Nachfolgend habe ich die wichtigsten INFOS der drei Safer Sex - Methoden zusammengestellt.


Kondom

Kondome bieten Schutz vor einer HIV-Infektion. Sie können spontan eingesetzt werden und sind als Schutzmaßnahme für jeden und jede leicht zugänglich. Sie sind ein „sichtbarer Schutz“ für den bevorstehenden Sex.

Es gibt sie mittlerweile in verschiedenen Größen. Bitte verwendet dazu ein Gleitmittel auf Wasserbasis. Öle und Fette machen das Kondom porös und das Kondom hat dann keine Schutzfunktion mehr.



Schutz durch Therapie

HIV-positive Menschen, die ihre Therapie zuverlässig nehmen und deren Viruslast mindestens 6 Monate unter der Nachweisgrenze (uNG)  ist, sind nicht mehr infektiös.

Du kannst Dich bei diesen Personen nicht mehr mit dem HI-Virus anstecken. Die Anzahl der Viren in deren Körperflüssigkeiten ist so niedrig, dass sie für eine Infektion nicht mehr ausreicht.

Damit das so bleibt, sollte der Gesundheitsstatus regelmäßig durch einen Arzt gecheckt werden.



Prä-Expositionsprophylaxe (kurz PrEP)

Die neueste Methode, sich vor einer HIV-Infektion zu schützen ist die PrEP (Vor-Risiko-Vorsorge). Durch die Einnahme von Medikamenten wird eine HIV-Infektion verhindert.

Bevor Du aber damit starten kannst, ist ein medizinischer Check auf Deinen aktuellen Gesundheitsstatus (HIV, Hepatitis, Blutbild) notwendig.

Wie bei der Methode „Schutz durch Therapie“ sind anschließend regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Nebenwirkungen, Blutwerte, HIV-Status) durch Deinen Arzt ratsam.



Sexuell aktive Menschen sollten sich bei allen drei Methoden regelmäßig auch auf weitere STI´s (sexuell transmited infections, sexuell übertragbare Krankheiten) checken lassen.

Diese Untersuchungen führt ebenso Dein behandelnder Arzt durch.


Mit diesen drei Methoden des Safer Sex vor einer HIV-Infektion und regelmäßigen Gesundheitschecks auf STI´s (süK´s) schützt Du Dich und Deine (Sexual-) Partner vor gesundheitlichen Risiken.

Egal, für welche Safer Sex-Strategie jeder Mann und jede Frau sich entscheidet, geht respektvoll und tolerant miteinander um.

Auf diversen Dating-Portalen findet man beim Punkt „Safer Sex“ auch die Wahlmöglichkeit „nach Absprache“. Dies bedeutet wörtlich genommen, dass jeder einzelne offen über seinen aktuellen Gesundheitsstatus spricht und sich dementsprechend verhält.



Viele Organisationen, zum Beispiel das AWO-Zentrum für Aidsarbeit Schwaben (ZAS) und die Aids-Hilfen, arbeiten mittlerweile seit einigen Jahrzehnten gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Stigmatisierung von HIV-positiven Menschen.

Durch den „Wandel der Zeit“ und dem medizinischen Fortschritt kann und sollte es unserer Gesellschaft gelingen, respektvoll miteinander umzugehen.

Wenn Du Fragen zur sexuellen Gesundheit hast und/ oder klären möchtest welche Safer Sex Strategie für dich am Besten funktioniert, kannst Du jeden Dienstag und Donnerstag von 15 – 19 h Mitarbeiter unseres MSM-Projekts im ZAS antreffen.


Jeder Mensch, egal ob homo-, bi- oder heterosexuell fühlt sich in einer aufgeklärten Gesellschaft und toleranten Community wohler.

In diesem Sinne, bleibt gesund und munter.

Schöne Grüße, Euer
Helmut
 

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