MännerXundheit 67

aufklärend – spannend – fesselnd – erschreckend


Mit diesen vier Worten ist der Themen- und Diskussionsabend Chem-Sex Teil 2 mit dem ICH WEISS WAS ICH TU – Rollenmodell Florian Winkler-Ohm zu beschreiben. Florian, mein langjähriger Kollege der IWWIT-Kampagne der DAH (Deutsche Aids-Hilfe, Berlin), besuchte seine alte Heimatstadt Augsburg.

Ein zierlicher junger Mann mit einem strahlenden Lächeln und einem knallroten IWWIT-T-Shirt startete am 27.06. um 19 Uhr seinen Vortrag mit einer kleinen Einführung in die Chemie und Wirkungsweisen der gängigsten Party- und Sexdrogen in der schwulen Szene. Wir erfuhren einiges über Eingruppierungen wie „Upper, Downer und psycho-aktiv  beeinflussend“ und deren entsprechenden Risiken und Gefahren.

Nach gut einer 3/4-Stunde legte Florian seinen Schwerpunkt auf Crystal Meth. Konsumweisen, Wirkungsgrade und kurz- und langfristige Folgen und gesundheitliche Schäden.

Danach folgte eine kurze Kaffeepause mit Keksen und bei Bedarf auch Zigarette. Schon in der Pause war zu merken, wie angeregt und geschockt zu gleich dieses Thema die Zuhörer beschäftigte.

So, Pause zu Ende.

Dem Publikum fiel es teilweise sichtlich schwer, sich wieder auf den Referenten zu konzentrieren. Aber Florian fing gleich an zu erklären, warum er diese Vorträge bei der IWWIT-Kampagne hält. Und so kam er bei seinen Erläuterungen auf seine Motivation, seinen Umgang und seinem Leben mit Drogen und Crystal Meth. Spätestens jetzt hatte er wieder alle Zuhörer in seinen Bann gezogen.

Nach seinen Erfahrungen mit gängigen Partydrogen wurde Florian neugierig auf Crystal Meth. „Bekannte, Sexualpartner und Freunde in der Berliner Schwulenszene nehmen es ja auch. Und mit Drogen könne er ja vernünftig umgehen.“ Anfangs ginge das auch bei Crystal Meth. Doch irgendwas war anders. Die Gefahr abhängig zu werden ist sehr langsam schleichend. Aber die Abstände Crystal Meth zu slammen – so nennt die schwule Szene den intravenösen Konsum (iv) – wurden immer kürzer. Irgendwann findet man harmlosere und gängigere Substanzen zu leicht und der besondere Kick wird vermisst. Doch der Teufelskreis schließt sich.

Der Wunsch nach dem besonderen Kick lässt den finanziellen Aufwand, die Probleme in der Partnerschaft und die gesundheitlichen Schäden in den Hintergrund rücken. Ja, die Probleme werden sogar bewusst verleugnet. Selbst die Folgen und Schäden wie entzündete Einstichstellen an den Armen, fehlendes Hunger- und Durstgefühl, Nachlässigkeiten bei der HIV-Therapie sowie Depressionen, Panik- und Angstzustände und Verfolgungswahn wurden ignoriert.

Doch irgendwann – ich nenne es mal in einem wachen und selbstbewussten Moment – wurden die Probleme klar erkannt. „so kann´s nicht weiter gehen!“ Und Florian entschied sich für eine Therapie. Sein „Thema Crystal Meth“ ist immer noch sehr präsent in seinem Leben, aber nicht mehr als Droge und Suchtmittel sondern als Thema bei Vorträgen für Aufklärung und Prävention.

Florians früherer Slogan bei der IWWIT-Kampagne war früher „Die Dosis macht das Gift.“ Doch genau das stimmt bei der Droge Crystal Meth nicht. Abschließend – nach insgesamt ca. 2 Stunden Vortrag – gab Florian den Gästen noch einen sehr persönlichen und auch liebevollen Rat mit auf den Weg.

„Auch wenn jemand sich entscheidet, Drogen und Crystal Meth zu konsumieren, so seid selbstbewusst, achtsam und jederzeit offen, auch Rat und Hilfe anzunehmen – weniger ist oftmals mehr. Und er appelliert an die Szene, Freunde und Bekannte, ebenso wachsam zu sein und auf konsumierende Freunde zu achten. Rückzug, Isolation und Desinteresse an alltäglichen Aktivitäten können der Beginn von ernsthaften Gefahren und Folgen sein“.

Anerkennender Applaus der Besucher beendete den Abend.


Schöne Grüße,
EuerHelmut
 

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