MännerXundheit 41

Aids ist auch nicht mehr, was es mal war...

Am Mittwoch, den 19.11. referierte der Patientenvertreter und Präventionsaktivist Siegfried Schwarze bei unserem Infoabend für Klienten und Angehörige zwei sehr interessante Vorträge mit der Überschrift "Aids ist auch nicht mehr, was es mal war."

Die Tatsachen, dass die Medikamente mittlerweile sehr wirksam sind, überwiegend gut verträglich und die Viruslast (Virusmenge) unter die Nachweisgrenze bringen, unterstreichen diese These sehr. 
 
Die Diagnose "HIV-positiv" ist zwar immer für jeden Einzelnen ein großer Schock, aber sie ist bei weitem kein Todesurteil mehr. Durch die neuen Therapien ist es meist möglich ein normales Leben zu führen und eine normale Lebenserwartung anzustreben und zu erreichen. Durch die gute Vernetzungsarbeit der Aidsberatungsstellen und deren Prävention und Aufklärung von Öffentlichkeit und Gesellschaft ist es in vielen Bereichen des Lebens oftmals kein Problem mehr, mit HIV oder Aids zu leben. HIV und Aids wird mittlerweile als normale chronische Krankheit angesehen.

Es mögen die folgenden Ereignisse der letzten Tage von Berufskollegen die berühmt-berüchtigte Ausnahme sein, aber für jeden dieser betroffenen Klienten ist es leider eine gravierende und teils auch sehr bedrohliche Benachteiligung, Stigmatisierung und Diskriminierung. Mit der Erlaubnis meiner Berufskollegen und der betroffenen Klienten möchte ich diese Erlebnisse hier thematisieren.

Fall 1: Einer schwangeren HIV-positiven Migrantin wurde im schwäbisch-ländlichen Raum die Aufnahme in ein Krankenhaus zur Entbindung ihres Kindes verweigert. Diese muss nun zur Entbindung ins Klinikum Augsburg.

Fall 2: Bei einem anderen Klienten, bei dem ich selbst den Rettungswagen und Notarzt unter der offiziellen Rettungsleitstelle angerufen hatte, mussten wir über 1 1/4 Stunden auf den Rettungswagen und dann nochmals ca. 30 Minuten auf den Notarzt warten. Bei meinem zweiten Telefonat nach ca. 50 Minuten wurde mir mitgeteilt, dass der Transport eines HIV-positiven Menschen auf der Warteliste hinten anstehe, da bei dieser Infektionsfahrt eine extra aufwändige Desinfektion nötig wäre. Ich hatte es natürlich vorsorgehalber und ehrlicherweise bei meinem ersten Notruf erwähnt, dass der Patient HIV-positiv ist. Bei meinem Einwand, ob es denn wohl besser sei, den positiven Umstand nicht zu erwähnen, drohte der Disponent ich würde mich strafbar machen. Außerdem könne es auch so lange dauern, weil die Rettungssanitäter evtl. in Schutzanzügen erscheinen würden. Die eigentliche Erkrankung und die Gründe für die Notwendigkeit des Rettungsdienstes haben den Disponenten am Telefon nicht weiter interessiert.

Unwissenheit, Vorurteile und Stigmatisierung sind leider immer noch sehr verbreitet. Beide Argumente des Disponenten sind natürlich völliger Unsinn. Mangelnde Sachkenntnisse bei Mitarbeitern in institutionellen Einrichtungen oder wohl auch haftungsrechtliche Belange sind für diese Vorgehensweisen oft der Hintergrund. Unser oben stehendes Motto mag in vielen Fällen und vor allem im medizinisch-therapeutischen Bereich für die Klienten zutreffen, aber ich bin mir nicht sicher, ob diese Vorfälle im Umfeld tatsächlich nur Ausnahmen sind.

Aber vielleicht könnt Ihr alle mithelfen, genau das herauszufinden. Schreibt mir im Blog, per E-Mail oder auch anonym per Brief, ob Ihr solche oder ähnliche Vorfälle mit Diskriminierung und Vorurteilen schon mal erlebt habt.

Hier die entsprechenden Kontaktdaten Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.  , im Blog auf unserer Homepage www.zas-schwaben.de oder an die Anschrift AWO-Zentrum für Aidsarbeit Schwaben, z.Hd. MännerXundheit, Schaezlerstr. 36, 86152 Augsburg.


Ich freue mich auf Eure Hilfe und Unterstützung. Denn unsere Aufgabe und unser Ziel als Beratungsstelle ist es, Voraussetzungen zu schaffen, um derartige Vorfälle abzuwenden.

Schöne Grüße, Euer Helmut
 

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